Der Naturgarten von Ilona und Manfred in Sulzbach a. Inn
Unser Garten ist naturnah gestaltet. Seit 2010 werkeln wir, mein Mann Manfred und ich, in unserem Garten. Projekte gibt es immer. Wir sind beide Vollzeit-Berufstätig und können in der Woche nur wenige Stunden dafür aufwenden. Viele Bücher, Ratgeber, Internetseiten gelesen, Gärtnereien besucht – wie es halt so ist, wenn man vom Garten-Virus befallen ist.
Gepflanzt, gescheitert, gelernt.
Und sehr oft Kritik eingesteckt: „Mei, bei Dir kimmt ja vui Unkraut daher!“ war noch das Netteste. Also habe ich meine
Unkräuter kennengelernt, mit Namen, und wie hoch der Nutzen für die Insektenwelt ist. Den Kritikern habe ich dann eine Standpauke gehalten. Ob ein Pflänzlein ein „Unkraut“ ist, hängt m.M.n. von der
Intelligenz und der Philosophie des Gärtners ab.
Als ich erfahren habe, dass es für solche Gärten wie meinen sogar ein Zertifikat mit Schild und Urkunde gibt, war mir klar, dass ich mich bewerben und bestehen wollte, damit die dummen Kommentare verstummen.
Im Winter 2024 habe ich Wolfgang Petzi in meinen Garten eingeladen, wir sind die Kriterien der Naturgartenzertifizierung durchgegangen und waren der Meinung, das könnte funktionieren. Also haben wir uns angemeldet und das Prüfungskomitee vom Kreisverband Passau ( 1. Vorsitzender Josef Hirschenauer und Gaby Stark ) kam im Juni 2025 zur Besichtigung. Wolfgang als Vertreter des GBV- Reutern war auch dabei und hat uns unterstützt – vielen Dank dafür ;)!
Bei der Begehung haben wir das ganze Gelände erforscht.
Es begann mit einem Anstieg bis zum höchsten Punkt, wo das Bienenhaus steht, wir kamen an der Schmetterlingsaufzuchtfarm + Vogelbuffet (= Brennesselrain) vorbei, weiter ging es entlang der Naturhecke bis zu den wilden Kletterrosen. Wieder runter am Teich vorbei passierten wir die Beerenhecke und die Obstbäume, liefen zwischen Dill und Flieder auf den großen Walnussbaum zu, und durchquerten das Margeritenfeld bis zum Sandarium. Wir marschierten unter den Fledermauskästen durch bis zum Ellexenbeet mit Maistrauch, Farnen und Nelkenwurz. Nach dem „blauen“ Beet mit Ehrenpreis und Katzenminze schauten wir noch auf das herrlich duftende Geißblatt, dahinter blühte schon der Lavendel mit den Walderdbeeren. Erste Runde geschafft.
Die zweite Runde startete mit dem Akelei-Holunder-Beet und dem Blauregen-Durchgang und es öffnete sich der Blick auf den Teich. Unmengen Kaulquappen waren aktiv, die Graskarpfen schwammen ruhig durch das Wasser. Kleine und große Libellen legten auf dem Tausendblatt ihre Eier ab. Auf dem Kiesweg wanderten wir um den Teich herum, an der Steinmauer kletterten die Weinbergschnecken hoch. Abschließend schauten wir noch in die Hochbeete, wo Gemüse, Salat und Kräuter wachsen. Der Grand im Hof war unsere letzte Station. Zertifizierung bestanden!
Es summt, brummt, flattert, gurrt, zwitschert, piepst, quakt, kreucht und fleucht in unserem Garten und es ist eine wahre Freude und ein wertvolles Geschenk, rund um die Uhr und 365 Tage im Jahr in einem Naturgarten leben zu können.